Simone de Beauvoir

Existenzialistin. Schriftstellerin. Theoretikerin und Philosophin UND Eine der Gallionsfiguren des Feminismus. Sie hat wohl das wichtigste und häufigst zitierte Werk der emanzipatorischen Frauenbewegungen geschrieben. „Das andere Geschlecht – Sitte und Sexus der Frau“.

Neben dem Welterfolg „Das andere Geschlecht“ (1949) schrieb de Bauvoir auch zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays und Memoiren und zählte bald zu den anerkannten französischen Schriftsteller*innen ihrer Zeit. Sehr bekannt ist natürlich auch ihre Beziehung zum französchen Philosophen, Theoretiker und ebenfalls Existenzialisten Jean-Paul Sartre. Um die Liebe und Beziehung der beiden zueinander ranken sich viele Mythen und Erzählungen. Sie versuchten eine offene Beziehung zu leben, in der so etwas wie Geschlechterrollen und Dominanzen weitgehend aufgehoben sein sollten. Allenthalben lassen sich aber mehr oder minder belegte Quellen finden, nach denen Simone weiterhin diejenige in der Beziehung war die zurückstecken musste und gewisse Ausschweifungen von Jean-Paul hinnahm.

Neben ihrer mehrbändigen Biographie ist ihr wohl bekanntestes Werk „Das andere Geschlecht – Sitte und Sexus der Frau“. Das wohl bekannteste Zitat lautet: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht. (On ne naît pas femme, on le devient)“ Eine eindeutige Aussage über die soziale Konstruiertheit von Geschlecht. De Beauvoir sagt in diesem Werk auch, dass Frauen von den Männern zum „Anderen Geschlecht“ gemacht worden seien. Dies bedeutet in der existentialistischen Terminologie de Beauvoirs, dass sich der Mann als das Absolute, das Essentielle, das Subjekt setzt, während der Frau die Rolle des Anderen, des Objekts zugewiesen wird. Sie wird immer in Abhängigkeit vom Mann definiert. Deshalb hat sie mit stärkeren Konflikten zu kämpfen als der Mann. Wenn sie ihrer „Weiblichkeit“ gerecht werden will, muss sie sich mit einer passiven Rolle begnügen, dies steht aber ihrem Wunsch entgegen, sich als freies Subjekt durch Aktivität selbst zu entwerfen. (siehe auch transzendent/immanent)

De Beauvoir präsentiert eine äußerst komplexe Analyse der Lage der Frau. Sie diskutiert biologische, psychoanalytische und historische „Fakten und Mythen“ (so der Titel des ersten Teils) und die „gelebte Erfahrung“ der Frau. Stark beeinflusst von Jean-Paul Sartres und Maurice Merleau-Pontys existentialistischer Phänomenologie geht sie davon aus, dass keine wissenschaftliche Betrachtung „die Frau“ erklären kann. Nur die individuelle Erfahrung hält sie für ausschlaggebend.

Das andere Geschlecht erschien zwischen zwei Frauenbewegungen (der der ersten Welle bis zum Ersten Weltkrieg und der der zweiten ab 1970) und steht in der Tradition von Feministinnen wie Olympe de Gouges (1748–1793), Mary Wollstonecraft (1759–1797) oder Virginia Woolf (1882–1941), auf die Beauvoir sich auch beruft, und es geht weit darüber hinaus. Beauvoirs umfassende kulturgeschichtliche und soziologische Abhandlung der Lage der Frauen in einer von Männern dominierten Welt ist der radikalste und visionärste Beitrag zur Emanzipation der Frauen im 20. Jahrhundert.

Das andere Geschlecht ist im Wesentlichen eine dialektisch-materialistische Studie des Daseins der Frau. Es erklärt die Frau nicht als ein geheimnisvolles Wesen, sondern unter dem Gesichtspunkt ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation. Die Versklavung der Frau und ihre Befreiung sind die Folgen ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit und wirtschaftlichen Emanzipation.

Sie hat viele der späteren Diskussionen im Feminismus beeinflusst und angestoßen und war wegbereitend für die Gender Studies.

Für mich persönlich ist Beauvoir vor allem als Beobachterin wichtig, die in einer dichotom funktionierenden Welt die zwei bis dato vorhandenen Geschlechter betrachtet und formuliert, dass die Unterschiede zwischen diesen Geschlechtern, also auch deren Notwendigkeit, aufzulösen sind, wir aber im Moment reell in einer Gesellschaft leben, in der diese Dichotomie vorkommt und als soziale Realität existiert, weshalb wir sie bearbeiten, und als wahr_nehmen müssen.

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Muriel Aichberger

Muriel studiert Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Philosophie an der LMU München und arbeitet dort im Queer-Referat der Studierendenvertretung der LMU mit. Seit SoSe 2015 ist er Bundeskoordinator der schwulen, schwullesbischen und queeren Referate und Hochschulgruppen. Außerdem betätigt Muriel sich als Schauspieler*in und Tänzer*in , queere*r und schwule*r Aktivist*in sowie polit-Tunte und v.a.m.

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