Pervers! Krank! Verboten!

Devianz, also Abweichung ist immer eine Herausforderung, besonders allerdings, wenn es sich um tabuisierte (sexuelle) Empfindungen handelt. Zoophilie, Koprophilie, Inzest, Pädophilie. In unserer Gesellschaft herrschen einige eherene Tabus und Verbote. Dieser Artikel möchte Awareness ,für den Leidensdruck derer schaffen, die andere Begehrensstrukturen haben, als die, die wir leicht nachvollziehen können.

Wer heute von der Normgesellschaft abweicht, weiß wie gravierend die Sanktionen sein können. Am schlimmsten ist das für die Menschen, die über ihre Neigungen und Empfindungen schweigen müssen, weil sie ‚zu weit‘ abweichen. Besonders gilt das natürlich für die, deren Neigungen, wenn sie ausgelebt würden, gegen Gesetze verstoßen würden, wie zB bei pädophil begehrenden Menschen.

Es geht mir hier nicht darum Sinn oder UnSinn von Gesetz_gebung zu diskutieren, sondern einzig darum, Awareness/Bewusstsein zu schaffen, dafür dass es diese Menschen gibt, dass sie nicht bösartige, abartige, perverse Straftäter*innen sind, sondern dass sie jeden Tag mit uns ‚anderen‘ diese Welt teilen. Was oft passiert ist allerdings, dass ihnen ein würdevolles Leben verunmöglicht wird. Diese Menschen lernen, wie wir ‚anderen‘ auch, bereits bevor sie selbst diese Gefühle wahrnehmen oder einordnen können, dass ‚das‘ verboten und nicht normal™ ist. Jeder kennt das. Wir sehen als kleinste Kinder Normalität™ und grenzen ab zwischen gut = normal™ und schlecht = nicht normal™. Nur was, wenn wir selbst zu „schlecht“ gehören? Diese Erkenntnis führt zu Selbsthass, zu Outing-Zwang, oder im schlimmsten Fall in die völlige Isolation, dann nämlich, wenn unser Begehren ‚unaussprechlich‘ ist.

Darum genau geht es mir hier. Kein Begehren ist unaussprechlich! In meiner eigenen Erfahrung in der Arbeit mit allen möglichen Menschen und ihren unterschiedlichen Begehrens- und damit Leidensstrukturen hat sich vor allem eines deutlich gezeigt: Menschen wollen ein würdiges Leben mit sozialen Kontakten und vor allem Freund*innen denen gegenüber sie offen und angstfrei über ihr Begehren und ihre Empfindungen sprechen können. Das klappt bei Homos schon oft nicht, wie soll das dann erst bei zoophilen oder pädophilen Menschen klappen? Langsam, viel zu langsam gibt es mehr und mehr Angebote und Möglichkeiten. Sehr langsam bilden sich – immer selbstbewusstere – Selbsthilfegruppen, und trotzdem ist oft die*der Psycholog*in die einzige Ansprechperson (die auch noch bezahlt werden muss!) Das muss sich ändern! Es ist wichtig, sich über Gefühle und Empfindungen austauschen zu können. Am besten kann ich das mit Menschen die meine Gefühle verstehen können, also mit „Gleichgesinnten“. In Fällen, in denen das Begehren so stark sozial tabuisiert ist, dass es sogar unter Strafe steht finden sich kaum Gleichgesinnte, zugegeben, das hat sich mit dem Internet stark verbessert, trotzdem: Nichts ersetzt ein*e Freund*in zum Anfassen. Daher muss es möglich sein, sich von Angesicht zu Angesicht zu treffen, ohne befürchten zu müssen, auf irgendwelchen watchlists zu landen, oder als ‚krank‘ abgestempelt zu werden. Und ganz nebenbei: Soziale Kontakte vor allem zu Menschen die gleich empfinden verringern den Leidensdruck und damit die Straftaten.

Viel zu viele Menschen leiden jeden Tag unter Tabus, unter ängstlichen Mitmenschen, unter tauben Ohren und dabei wollen alle dasselbe. Weg mit den Verurteilungen! Weg mit den gerümpften Nasen! Für eine wunder_bare Welt für alle!

Ps.: Wenn du dich persönlich angesprochen fühlst, dann sei dir versichert, dass wir immer ein offenes Ohr für alle haben. Vor allem für die, die ihre Ängste oder Vorurteile bekämpfen wollen 😉

wer hat's geschrieben?

Muriel Aichberger

Muriel Aichberger war vom WiSe 2011 bis zum SoSe 2017 im Queer-Referat aktiv. Von 2015 bis 2017 war er Bundeskoordinator der schwulen, schwullesbischen und queeren Referate und Hochschulgruppen. Bereits seit 2010 ist er Autor und hält Vorträge zu LGBT*I-Themen, Queer-Studies und Geschlechterforschung. Sein Schwerpunkt liegt in der kritischen Männerforschung. Mittlerweile ist er selbstständig als Speaker, Texter und Coach und berät Unternehmen zu den Themen Equality Diversity und Inclusion. (www.murielaichberger.de)

3 Gedanken zu „Pervers! Krank! Verboten!“

  1. Ich vermute mal Muriel Aichberger hegt gute Absichten mit diesem Artikel, dennoch die Anmerkung:
    ist Euch bzw. Dir bewusst, dass in diesem Artikel Zoophilie und Pädophilie quais mit Homosexualität auf eine Stufe gestellt wird?
    Dann kann ich nur sagen, bei „Homos“ klappt das mitunter ganz gut, also vorsicht bei solchen leichtsinnigen Äußerungen!
    Die Absicht des Artikels ist wohl gut, aber die Ausführung wohl leider mehr als nur mangelhaft!

    1. Für mich stehen tatsächlich alle Begehrensweisen auf einer Stufe und alle Menschen verdienen die selbe würdevolle Behandlung, solange sie keinen anderen Lebewesen schaden.

      Eventuell klappt das bei dir ganz gut und das hoffe ich auch, ich freue mich immer, wenn das so ist, kenne aber genug Beispiele, wo eben auch homosexuelle Menschen nicht angstfrei und selbstbewusst über ihr Begehren sprechen können. Im Übrigen habe ich mir den Artikel jetzt noch 3 mal durchgelesen und festgestellt, dass ich durch die Formulierung „wie soll das dann erst bei …“ sehr wohl einen Unterschied zwischen der, in der Gesellschaft vergleichsweise stark repräsentierten Gruppe der „Homos“ und anderen zB kriminalisierten oder pathologisierten Gruppen mache. Danke für deinen Kommentar

  2. Servus! Ich bin dankbar für diesen Artikel, denn ich finde mich darin wieder! Ich bin um die 30, arbeite in einem sozial-medizinischen Beruf, bin lieb, nett, treu, ehrlich, hilfsbereit und freundlich! Von Kollegen und Freunden werde ich sehr geschätzt, und doch bin ich allein, keine Frau, keine Kinder! Nicht, weil ich nicht will oder es nicht versucht habe, eher, weil viel zu oft enttäuscht wurde, und in den letzten Jahren hat sich bei mir eine eine sexuelle Neigung entwickelt, die es mir schwerer macht, jemanden zu finden! Ich stehe, mittlerweile, total INZEST! Ich bin im Gedanken nur noch dort zu finden! Ich stelle mir vor, es mit meiner Schwester zu treiben, oder mit einer möglichen Tochter! Das Alter spielt hier fast keine Rolle, sprich also, eine leichte Pädophilie ist auch vorhanden! ALLERDINGS, bevor ich hier von einigen zerfleischt werde, ICH BIN GEGEN GEWALT! Das heisst, ich wütde nie jemanden dazu zwingen, oder missbrauchen, vergewaltigen oder Gewalt anwenden! ALLES MUSS AUF FREIWILLIGER UND BEWUSSTER GEWOLLTER EBENE GESCHEHEN!!! Aber man findet keine Gleichgesinnten! Und man muss immer vorsichtig sein, wann, wo und vor web man sich offenbart! Nur die Andeutung solcher Gedanken kann einen in echte Schwierigkeiten bringen! Dabei wäre ich ein treusorgender liebevoller Mann und möglicher Vater! Eine Partnerin/Frau und/oder auch Kinder würden ALLES erdenkliche Gute erhalten, was sie brau hen oder wollen. Ich wünschte, ich könnte eine Frau finden, die mit mir eine Inzest-Familie gründet, vielleicht ersteinmal nur im Kopf, in Rollenspiele, und dann wird man sehen, wie es weiter geht,… . Ich habe auch versucht mir Hilfe zu holen, bei Psycho-Docs, Gruppen, Vereine, Einrichtungen, usw. – doch niemand konnte oder wollte mir helfen! Selbst Polizei und Gesetz können einem nicht helfen, da ja noch nichts passiert ist! —???— Ja, da fasse ich mich auch an den Kopf! Auf der einen Seite mit dem Finger auf mich zeigen, aber wenn ich Hilfe will, dann nicht helfen können oder wollen! Hinzu kommt, dass der INZEST-PARAGRAPH ZWAR DEN VAGINALEN GESCHLECHTSVERKEHR VERBIETET, ABER NICHT DEN ANAL! Mit anderen Worten, ich darf, wenn gewünscht, der Schwester in den Arsch ficken, aber nicht in die Vagina! Welche Logik, mal abgesehen vom Schwangerwerden steckt dahinter? – Ich kann NIX für meine Gefühle, und je mehr dagegen ankämpfe, desto stärker wird dieses Verlangen! Wo kann ich es ausleben, ohne sofort zerfleischt zu wetden? Wo kann ich offen dazu stehen, darüber reden, ohne sofort an die Wand gestellt zu werden? Wer hilft mir? Wer kann mir helfen? Wo finde ich Hilfe, gescheite Hilfe, kein Kastrieten oder so! Ehrliche richtige Hilfe!? Oder, wo ist die Frau, die das mit mir teilt, auslebt oder mich heilt vob diesen perversen kranken Gefanken, wie unsere Gesellschaft das auch immer bezeichnet!? Deshalb DANKE für diese LANZENBRECHUNG! ICH BIN KEIN BÖSER MENSCH, im Gegenteil! Meine Freunde und Kollegen würden nur Gutes von mir berichten, und wären zugleich geschockt und entsetzt, wenn sie von meibem Fetisch oder meiner Neigung wüssten! Das es für mich viel härter ist zu schweigen, zu unterdrücken, das sieht und versteht keiner! Ich LEIDE VIEL MEHR, als Andere denken, und nochmals: ICH WÜRDE NIEMALS GEWALT ANWENDEN ODER KLEINE KINDER MISSBRAUCHEN!!! Und ich habe versucht mir HILFE zu holen, ohne Erfolg! So, und nun dürfen die Kritiker mit ihrem SHITSTORM anfangen, und mich beschimpfen und zerfleischen! Das bin ich gewohnt, wenn man sich öffnet!

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