Magnus Hirschfeld

Dr. Magnus Hirschfeld war eine der ersten und wohl wichtigsten Personen in Deutschland die sich für das Wohl und die Anerkennung von homosexuellen Personen eingesetzt hat. Ein (viel zu) kurzer Artikel, der einige wenige wichtige Meilensteine seines Lebens aufzählt.

Dr. Magnus Hirschfeld kann wohl mit gutem Gewissen eine der wichtigsten Personen für die Historisierung und vor allem (leider) Pathologisierung von homosexuellem Leben und Lieben in der Geschichte genannt werden. Zum Punkt der Pathologisierung müssen historische Realitäten betrachtet werden und gerade hier gehen selbstverständlich die Meinungen auseinander. Ich möchte, zumindest in der ersten Version dieses Artikels, aufgrund der Komplexität dieser Frage, zunächst nicht auf sie eingehen.

Magnus Hirschfeld war Deutscher, Jude, Arzt, Sexualforscher und schwul. Er wurde 1868 geboren und gründete nach seinem Studium der Sprachwissenschaften und seiner Promotion zum Doktor der Medizin zusammen mit dem Verleger Max Spohr, dem Juristen Eduard Oberg und dem Schriftsteller Franz Joseph von Bülow im Jahr 1897 das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK). Dieses Komitee war die weltweit erste Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, homosexuelle Handlungen – in diesem Falle nur die zwischen Männern, die lesbische Handlungen waren nicht juristisch erfasst – zu entkriminalisieren. Aus diesem Komitee kam auch die erste Petition an den Reichstag zur Abschaffung des §175.

Ab 1903 führte Hirschfeld die erste umfassende Studie zu „sexueller Orientierung“ unter Studenten – damals nur männlich – und Metallarbeitern – ebenfalls nur männlich – durch. Er kam auf einen Anteil von ca. 5 – 6 % an homo- und bisexuellen Männern unter den Befragten. Aufgrund von Anzeigen und Gerichtsverfahren gegen Hirschfeld spaltete sich das wissenschaftlich-humanitäre Komitee.

1910 prägte Hirschfeld für Personen, die die „Kleidung des anderen Geschlechts tragen“ den Begriff „Transvestit“. Ab 1914 versank Europa im ersten Weltkrieg und Hirschfeld arbeitete als Lazarettarzt.

1918 richtete er die Dr. Magnus-Hirschfeld-Stiftung ein, die bis heute existiert, und Grundlage ist, für eine weitere Pionierleistung von ihm: Die Gründung und Ausstattung der weltweit ersten Einrichtung für Sexualforschung – sein Institut für Sexualwissenschaft, das er am 6. Juli 1919 eröffnen konnte. Im gleichen Jahr war Hirschfeld im ersten Film, der Homosexualität und ihre Kriminalisierung offen thematisierte: „Anders als die Anderen“ von Richard Oswald, beratend tätig. Außerdem spielte er sich selbst.

1921 organisierte das Institut die „Erste internationale Tagung für Sexualreform auf sexualwissenschaftlicher Grundlage“, an der namhafte Sexualwissenschaftler teilnahmen, die linksliberal orientiert waren und gegen einen bevormundenden Staat in Fragen der Sittlichkeit eintraten. Ihnen war die Überzeugung gemeinsam, dass Sexualwissenschaft die Grundlage für gesellschaftliche Reformen schaffen würde.Hirschfeld gehörte außerdem der Leitung von Adolf Kochs um 1923 gegründeter Körperkulturschule, dem Institut für Freikörperkultur an.

Es darf keineswegs unterschlagen werden, dass Hirschfeld Anhänger der Eugenik war und auch Mitglied der Gesellschaft für Rassenhygiene. Natürlich war er als Jude und Homosexueller trotzdem ein besonderes Feindbild für die Nationalsozialisten. Zunehmend war er Hetzkampagnen vor allem im Stürmer ausgesetzt und seine Vorträge wurden von Schlägertrupps gestört. Ab 1931 verließ er Deutschland und kehrte nicht mehr zurück.

1933/34 verfasste Hirschfeld eine Rassendoktrin die Postum unter dem Titel „Racism“ veröffentlicht wurde. In dieser analysiert und widerlegt er die nationalsozialistische Rassendoktrin und empfiehlt die Streichung des Begriffs, als Kategorie nach der Menschen unterdrückt werden.

Der Artikel wird nach und nach erweitert werden, vermutlich ist jedoch jetzt erkennbar, dass Hirschfeld eine wichtige Gestalt für Theoretisierung von Homosexuellen war. Ich hoffe weiters, dass die Zwiespältigkeit mit der diese Figur betrachtet werden kann/sollte/muss ersichtlich wird.

Literatur:

Dose, Ralf: ‚Magnus Hirschfeld: Deutscher, Jude, Weltbürger‘, Hentrich und Hentrich Verlag, Berlin/Teetz 2005.
Hirschfeld, Dr. Magnus: ‚Berlins Drittes Geschlecht, Schwule und Lesben um 1900‘, Verlag rosa Winkel, Berlin, 1991, (orig. 1904).
Hirschfeld, Dr. Magnus: ‚Racism‘, Victor Gollancz Ltd., London, 1938.
Kotowski, Elke-Vera, Julius H. Schoeps (Hrsg.): ‚Der Sexualreformer Magnus Hirschfeld. Ein Leben im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft‘, Bebra, Berlin 2004.
Wolff, Charlotte: ‚Magnus Hirschfeld. A Portrait of a Pioneer in Sexology‘, Quartet Books, London u. New York 1986.

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Muriel Aichberger

Muriel Aichberger war vom WiSe 2011 bis zum SoSe 2017 im Queer-Referat aktiv. Von 2015 bis 2017 war er Bundeskoordinator der schwulen, schwullesbischen und queeren Referate und Hochschulgruppen. Bereits seit 2010 ist er Autor und hält Vorträge zu LGBT*I-Themen, Queer-Studies und Geschlechterforschung. Sein Schwerpunkt liegt in der kritischen Männerforschung. Mittlerweile ist er selbstständig als Speaker, Texter und Coach und berät Unternehmen zu den Themen Equality Diversity und Inclusion. (www.murielaichberger.de)

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