Forum Homosexualität München e.V.

Das Queer-Referat war mit dem ‚Salong‘ der AdbK München zu Besuch im Gustl Angstmann Archiv des Forum Homosexualität München e.V. und fand dort nicht nur viel interessantes Recherchematerial.

Im Rahmen ihrer Recherchearbeiten sind Freund*innen aus dem Salong auf das Gustl Angstmann Archiv in der Bayerstraße 77a gestoßen und haben ein Treffen mit einigen der Organisator*innen initiiert. Das Forum Homosexualität hat sich 1999 gegründet und besteht seither, als gemeinnütziger Verein. Neben einigen Vorträgen und Lesungen, der Ausstellung im Stadtmuseum und LesBiSchwulen Stadtrundgängen, organisieren 2 bezahlte Kräfte und die ehrenamtlichen Mitglieder das Archiv, in dem Nachlässe und Schenkungen aller möglichen Menschen und Institutionen verwaltet werden. So hat sich über die Jahre ein ansehnliches Archiv und eine Bibliothek entwickelt. Das System ist denkbar einfach, alphabetisch, nach den Namen der Autor*innen.

Neben der Bibliothek, in der Werke von Judith Butler ebenso zu finden sind, wie Interviewbändchen mit Ledermännern, lesbische Lyrik oder Tuntenromane befindet sich im Archiv eine große Sammlung von Zeitungsartikeln zu Münchener Lesben- und Schwulengeschichte. Daneben finden sich Klassiker im Original wie zB „die Freundin“ ein Lesbenmagazin aus dem Berlin der späten 20er/frühen 30er Jahre oder die dicken Bände von Magnus Hirschfeld. Wir stöbern durch die verschiedensten Kisten und Schränke, stoßen zB auf die ‚Du&Ich‘ aus den 80er Jahren, entdecken altbekanntes wieder, oder sind beglückt über Raritäten und Seltsamkeiten. Die Meisten kennen wohl das Gefühl, sich in einer Bücherwelt einzugraben und sofort Lust zu bekommen etwas zu schreiben, genau das erleben wir hier.

Christine, eine Vorständin des Vereins erzählt uns über seine Struktur als gemeinnütziger, ehrenamtlich organisierter Verein, der zT durch die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen unterstützt wird, und sich sonst aus den Mitgliedsbeiträgen finanziert. Alsdann erwähnt sie, fast in einem Nebensatz, dass das Forum Homosexualität auch eigene Reihen (den Splitter und Lebensgeschichten) herausgibt und Interviews mit Lesben, Schwulen und Trans*personen aus München führt, um die Lebenssituationen der verschiedenen Menschen zu dokumentieren. Geschichtsinteressierte und -faszinierte Personen sind an diesem Ort also genau richtig. Vor allem die lesbische Geschichte in München ist bisher wenig dokumentiert, daher werden vor allem Frauen/Lesben gesucht, die sich im Forum Homosexualität gerne mit diesem Teil der Stadtgeschichte auseinandersetzen möchten.

Insgesamt stellt sich dieses Archiv, von dem, laut eigener Aussage noch nicht allzuviele Münchener*innen wissen als Raum voller Möglichkeiten und Schätze heraus. In einem Hinterhof nahe des Holzkirchener Bahnhofs gelegen ist dies sicherlich einer der Forschungs- und Archivorte, den es sich in München zu entdecken lohnt. Nehmt euch viel Zeit mit und stöbert selbst durch die Regale. Übrigens es ist eine Präsenzbibliothek, das heißt, die Bücher sind nicht ausleihbar. Das macht aber gar nichts, denn es arbeitet sich hervorragend vor Ort.

Adresse:
Forum Homosexualität München e. V.
Bayerstr. 77a RGB III
D- 80335 München
Telefon: 089 /23 26 97 94

Öffnungszeiten:
Dienstag: 15:00 – 18:00 Uhr, Donnerstag: 10:00 – 13:30 Uhr und nach Vereinbarung!

wer hat's geschrieben?

Muriel Aichberger

Muriel Aichberger war vom WiSe 2011 bis zum SoSe 2017 im Queer-Referat aktiv. Von 2015 bis 2017 war er Bundeskoordinator der schwulen, schwullesbischen und queeren Referate und Hochschulgruppen. Bereits seit 2010 ist er Autor und hält Vorträge zu LGBT*I-Themen, Queer-Studies und Geschlechterforschung. Sein Schwerpunkt liegt in der kritischen Männerforschung. Mittlerweile ist er selbstständig als Speaker, Texter und Coach und berät Unternehmen zu den Themen Equality Diversity und Inclusion. (www.murielaichberger.de)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.