Feminist Action! Aber Wie!?

Das Queer-Referat war vom 19. bis 21. Okt 2012 in Kochel am See auf einem Seminar zum Thema „feminist action! Analysen & Aktionen zu Geschlecht in Schule und Gesellschaft“. Eingeladen wurden wir von der Stadtschüler*innenvertretung der LhSt München. Hier ein Erfahrungs- und Tätigkeitsbericht.

Vor wenigen Wochen erreichte uns eine E-Mail der Stadtschüler*innenvertretung München, in der sie uns persönlich zu einem Seminar in der Georg-von-Vollmar-Akademie in Kochel am See einluden. Von Freitag dem 19. bis Sonntag den 21. Oktober sollte es in einem Workshop um das Thema „feminist action! Analysen & Aktionen zu Geschlecht in Schule und Gesellschaft“ gehen. Meine Kollegin Theresa und ich entschlossen uns teilzunehmen. Ich habe mir von dem Workshop einerseits einige aktuelle Inputs erhofft und war andererseits gespannt, ob dieser Workshop nun endlich einmal ein oft gemachtes Versprechen halten würde, und wir wirklich mit einer Vorstellung davon, wie man aus theoretischem Wissen und Problemanalysen sinnvolle und witzige Aktionen destilliert, nach Hause kommen würden.

Die Anreise war unproblematisch, da der Ort Kochel von München aus in einer Stunde mit dem Zug zu erreichen ist. Nach der Ankunft geht es sofort mit der ersten Workshopphase los. Wie das bei Seminaren und Workshops üblich ist, stellen wir uns zu Beginn vor und formulieren unsere Erwartungen ans Seminar. Schon an dieser Stelle wird deutlich, dass unsere beiden Referent*innen auf alle Fälle Ahnung von der Präsentation von Workshops haben, und scheinbar auch Übung darin eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu kreieren.

Die Vorstellungsrunde offenbart zusätzlich zu den Namen der Teilnehmer*innen noch etwas äußerst ungewöhnliches: Die Gruppe ist einmalig heterogen. Die Altersspanne reicht von 14 – 30 Jahren, die Erfahrung mit dem Thema dementsprechend von Beginner*innen bis hin zu in das Thema eingearbeiteten Personen. Auch die Bildungshintergründe sind natürlich äußerst verschieden. Die Schüler*innen kommen aus verschiedenen Schultypen und Jahrgängen, erweitert wird das ganze durch die anwesenden Studierenden.

Der inhaltliche Teil beginnt mit einer Begriffsklärung, um sicherzustellen, dass, trotz der Heterogenität der Gruppe, alle wissen, wovon gesprochen wird. Mit dieser ersten Begriffsklärung und inhaltlichen Orientierung ist die Grundlage für die nächsten Workshopphasen gelegt. Wir beschließen den Freitag bei Wein, Bier und Limo und lernen erstmal die Workshopteilnehmer*innen genauer kennen. Unter einem wunderschönen hohen Sternenhimmel begleitet nur von Ziegenglocken unterhalten wir uns mit allen möglichen, politisch aktiven Leuten und knüpfen wichtige Kontakte unter anderem zu Schüler*innenorganisationen, aber auch zu anderen münchenerischen und bayerischen Einrichtungen.

Der Samstag beginnt müde, aber mit einem unglaublichen Frühstücksbuffet. Um 9 Uhr geht es dann in die Vollen. Nach einem kurzen Namensspiel, wo alle sich noch einmal die Namen der Anderen einprägen, beginnen wir mit dem ersten theoretischen und inhaltlichen Block zur Frage: „Wie sind wir so geworden wie wir sind?“ Wir analysieren mit Hilfe verschiedener Gedankenspiele und Übungen unsere gesellschaftliche Prägung und die Prämissen, unter denen wir Geschlecht denken. Ergänzt wird das Ganze durch einen kleinen grundlegenden Theorievortrag. Für mich ist es sehr interessant, dass sich an den dekonstruktivistischen Theorien zum Thema Geschlecht eine hitzige Diskussion entspinnt, da nicht alle Teilnehmer*innen einfach gewillt sind mit dieser poststrukturalistischen Argumentationsweise mitzugehen. Nach dem Mittagessen und dem Verdauungsspaziergang zum See geht es daher weiter mit 2 parallelen Workshopphasen. Das war so zwar nicht geplant, aber unsere Workshopteamenden Elena und Fritze haben sich entschieden, dieses Experiment zu wagen, um Alle,auch denen die sich am Vormittag nicht mehr aufgehoben fühlen konnten, wieder mitzunehmen. Ich entscheide mich für den Teil über Herrschaft, Staat, Gesellschaft; Theresa schaut sich den Teil über verschiedene feministische Strömungen an. Die beiden Gruppen präsentieren abschließend die jeweiligen Ergebnisse.

Im Anschluss ans Abendessen sammeln wir Situationen und Gegebenheiten in „Schule/Uni“, „Alltag/Freizeit“, Medien und anderen Gebieten, in denen Geschlecht eine problematische Rolle spielt. Zum Abschluss des 10 stündigen Workshoptages zählen und erzählen wir noch verschiedene Protest- und Aktionsformen (auf). Das Abendfreizeitprogramm besteht aus dem Film „itty Bitty Titty Committee“ und dem gemütlichen Ausklang im Stüberl. (Den Film zeigen wir übrigens bald im Queer-Referat und hoffen, dass er euch genau so gut gefällt wie uns.)

Der Sonntag widmet sich nun dem Thema, wegen dem ich tatsächlich gekommen bin und rundet die Workshoperfahrung ab. Gespannt warte ich auf die Methode, die uns vorgestellt wird um aus Problemanalysen sinnvolle Aktionen abzuleiten. Anhand eines kleinen Leitfadens versuchen wir das, übers Wochenende gelernte, sowohl theoretische, wie auch praktische Wissen, anzuwenden. Wir teilen uns in Gruppen auf und entwerfen verschiedene Aktionen. Jede Gruppe ist dabei angehalten, sich für die eigene politische Tätigkeit eine tatsächliche Aktion auszudenken; Wir zB für das Queer-Referat. Die Methode funktioniert einmalig und wir sprühen vor Kreativität und Tatendrang. Als Fazit kann ich also sagen, dass dieser Workshop mehr als gehalten hat, was versprochen wurde. Ich fühle mich bereichert und bin stolz auf unsere Ideen und Aktionen, die wir mit nach Hause bringen.

Danke Elena und Fritze für das tolle Teaming und den fantastischen Workshop. Danke Lorenz und SSV für die Einladung. Danke Theresa für die tolle Zusammenarbeit. Danke liebe Schüler*innen für eure wundervollen Eigenarten und die Erkenntnis, dass es oft gar keiner schwierigen Worte bedarf, um einfache Dinge auszudrücken. Danke an Alle, für ein wunderschönes Wochenende und für die unglaublichen Ideen.

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Hugs, Love and Unicorns

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Muriel Aichberger

Muriel Aichberger war vom WiSe 2011 bis zum SoSe 2017 im Queer-Referat aktiv. Von 2015 bis 2017 war er Bundeskoordinator der schwulen, schwullesbischen und queeren Referate und Hochschulgruppen. Bereits seit 2010 ist er Autor und hält Vorträge zu LGBT*I-Themen, Queer-Studies und Geschlechterforschung. Sein Schwerpunkt liegt in der kritischen Männerforschung. Mittlerweile ist er selbstständig als Speaker, Texter und Coach und berät Unternehmen zu den Themen Equality Diversity und Inclusion. (www.murielaichberger.de)

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