Rainbow Flag and Blue Skies
"Rainbow Flag and Blue Skies" Quelle:flickr/Ludovic Bertron (CC)

Die Regenbogen-Flagge: Symbol der Freiheit und Selbstermächtigung

Jeder kennt sie, die meisten wissen auch dass sie für ‚gay‘ oder ‚gayfriendly‘ steht. Aber was hat es mit diesem bekanntesten und meistbenutzen Symbol in der Homo-Welt auf sich?

Die Regebenbogen-Flagge taucht zum ersten Mal 1978 im Castro Viertel von San Francisco auf. Der amerikanische Künstler und Aktivist Gilbert Baker färbt und näht, angeregt durch Harvey Milk1 8 Stoffstreifen zu einer Regenbogenfahne zusammen. Die acht Farben sind die folgenden: Pink, Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Türkis und Violett. Laut Baker selbst stehen die Farben sinnbildlich für (in Reihenfolge der obigen Aufzählung): Sexualität, Leben, Heilung, Sonne, Natur, Kunst, Harmonie und Geist.2 1979 wurde die Flagge dann, vom pride-parade committee auf sechs Streifen reduziert (Pink und Türkis wurden entfernt). In dieser Form findet sie heute Verwendung und Verbreitung und ist so auch vom International Congress of Flag Makers anerkannt.

Ihre Bedeutung kam immer der einer Staatsflagge gleich, hatte man sich auch keinen tatsächlichen topographischen Raum, kein Staatsgebiet erobert, so hatte man doch ein politisches Terrain geschaffen, einen Utopos. Durch die Stonewall Riots im Jahre 1969 kam homosexuelle Solidarität zum ersten mal unmittelbar zum Vorschein. Als Reaktion darauf bildete sich eine Art politische Homosexualität. Endlich war eine politische Identität geschaffen unter der man für seine Rechte kämpfen konnte, und die Regenbogenflagge war das Symbol dafür. Gay-Pride.

Man war nicht mehr länger bereit die eigene Sexualität und das Begehren als Perversion zu betrachten, wie es von der heterosexuellen, bürgerlichen Hegemonialgesellschaft dargestellt wurde. Noch weniger war man bereit Diskriminierung, Hass und Gewalt über sich ergehen zu lassen. Man war stolz Schwuler oder Lesbe zu sein auch wenn dies oft ein steiniger Weg war, der mit Verlust von Freunden und Familie, der Arbeitsstelle und ähnlichem einherging. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist auch das Coming-Out, das Verlautbaren der sexuellen Andersheit. Diesem Coming-Out wurde und wird bis heute eine große Macht zugesprochen, da nur bekennende Homosexuelle als solche auch sichtbar werden. (Das bekanntste Beispiel ist der Wunsch nach geouteten Schwulen und Lesben im Profi-Fußball) Durch Sichtbarkeit wird Toleranz geschaffen, die These dahinter ist: Wer eine*n kennt der hat mehr Verständnis und verliert die Angst davor.

Mit der zunehmenden Akzeptanz homosexueller Lebens- und Liebensformen bzw. dem abnehmen tatsächlicher staatlicher Gewalt gegen Homosexuelle wurde aus der politischen Identität „homosexuell“ ein Lebensstil. Schnell hatte auch die Industrie entdeckt, dass Schwule und Lesben eine lukrative Zielgruppe sind. So bildete sich langsam ein homosexual lifestyle heraus. Vor allem bei Schwulen kann ich (weil ich selbst schwul bin) dies an bestimmten Marken, Looks und Moden ausmachen. Auch in diesem Zusammenhang wurde und wird die Regenbogenfahne verwendet.

Die Regenbogenfahne ist heute das bekannteste Symbol für die, oft gar nicht politische, homosexuelle Identität. Angefangen hat sie aber als politisches Identifikationssymbol und für manche ist sie das heute noch.

1 Baker, Gilbert: Pride-Flyin‘ Flag, in: Metro weekly, 18.10.2007 (http://metroweekly.com/feature/?ak=3031, Stand: 23.02.2012)
2 Anderson, Steven W.: The Rainbow Flag, in: GAZE Magazine, #191, 28.05.1993, S. 25 (http://www.cs.cmu.edu/afs/cs.cmu.edu/user/scotts/bulgarians/rainbow-flag.html, Stand: 23.02.2012)

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Muriel Aichberger

Muriel Aichberger war vom WiSe 2011 bis zum SoSe 2017 im Queer-Referat aktiv. Von 2015 bis 2017 war er Bundeskoordinator der schwulen, schwullesbischen und queeren Referate und Hochschulgruppen. Bereits seit 2010 ist er Autor und hält Vorträge zu LGBT*I-Themen, Queer-Studies und Geschlechterforschung. Sein Schwerpunkt liegt in der kritischen Männerforschung. Mittlerweile ist er selbstständig als Speaker, Texter und Coach und berät Unternehmen zu den Themen Equality Diversity und Inclusion. (www.murielaichberger.de)

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