Das SoSe 2014 – ein ‚perverses‘ Semester

Das Queer-Referat der Studierendevertretung der Ludwig-Maximilian-Universität München plant das Sommersemester 2014 unter das Motto ‚perverses Semester‘ zu stellen. Was es damit auf sich hat, warum wir das notwendig finden, und vor allem welche Themen behandelt werden und welche Veranstaltungen geplant sind erfährst du hier.

Eine Frage die oft im Raum steht und leider doch viel zu selten gefragt wird ist: „Was unterscheidet ein Queer-Referat von einem ‚Gleichstellungs-‚, ‚Diversity-‚ oder ‚LesBiSchwulTrans*-Referat‘?“ Die Antwort ist schwierig, denn ein bisschen etwas hat ein Queer-Referat von allem und doch ist es nicht profillos oder gar beliebig. Viele denken, Queer-Referate würden der Einfachheit halber so benannt, das kann für manche zutreffen, in unserem Fall nicht.

Ein Queer-Referat beschäftigt sich per Definition kämpferisch mit der Inklusion der Ränder unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung und unserer kollektiven politischen Würde; als Individuen, als Gruppen – seien sie selbst gebildet, oder durch äußerliche Zuschreibungen – und als gesamte Gesellschaft. Die allermeisten Menschen – so behaupte ich – sehen zB Schwule und Lesben am Rand der Gesellschaft, oder Trans*personen, Flüchtlinge und Asylwerber*innen, Menschen aus benachteiligten sozialen Schichten … Es gibt aber einige sogenannte Randgruppen, die mit einer derartigen Selbstverständlichkeit aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, dass Schwule und Lesben dagegen wie Mainstream erscheinen. Für diese Randgruppen gibt es kaum Rechte und noch weniger Möglichkeit für ein würdevolles Leben. Die Kategorien die hierfür geschaffen sind, sind Kriminalität, Krankheit und Perversion.

Das Queer-Referat möchte sich im ‚perversen Semester‘ genau diesen Kategorien und den – quasi – allerausgeschlossensten Gruppen widmen, und zwar nicht aus Sensationsgier, oder mit einem erhobenen politischen Zeigefinger, sondern um eine Begegnung zu ermöglichen und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den verborgensten und doch wirksamsten Mechanismen unserer Gesellschaft.

Die Themen (Cluster wird noch erweitert):
Queer – Pervers – Sexarbeit – Deviant – Abweichend – Pädo* – Abschaum – Armmut – Obdachlosigkeit – Prostitution – Missbrauch  – Unangepasstheit – Zugangsbeschränkung – Widerständigkeit – Betteln – Pädophilie – Krankheit – BDSM – Psychopathologie als Herrschaftsinstrument – Vergewaltigung – Krank! Abartig! Pervers! – Behindert
geplante Veranstaltungen und Artikel werden ergänzt.

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Muriel Aichberger

Muriel Aichberger war vom WiSe 2011 bis zum SoSe 2017 im Queer-Referat aktiv. Von 2015 bis 2017 war er Bundeskoordinator der schwulen, schwullesbischen und queeren Referate und Hochschulgruppen. Bereits seit 2010 ist er Autor und hält Vorträge zu LGBT*I-Themen, Queer-Studies und Geschlechterforschung. Sein Schwerpunkt liegt in der kritischen Männerforschung. Mittlerweile ist er selbstständig als Speaker, Texter und Coach und berät Unternehmen zu den Themen Equality Diversity und Inclusion. (www.murielaichberger.de)

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